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GERHARD DILGER, PORTO ALEGRE
Politischer Neuling mit GespürBoliviens Übergangspräsident Carlos Mesa
Von Gerhard Dilger
Porto Alegre (epd). Er gilt als politischer Neuling, und doch hat er in den vergangenen Tagen das richtige Gespür bewiesen: Auch deswegen wurde Carlos Mesa am Freitagabend vom Parlament in La Paz zum neuen Staatsoberhaupt Boliviens gewählt. Der 50-jährige Historiker, Schriftsteller und Medienunternehmer war seit gut einem Jahr Vizepräsident. Er übernahm die Führung des krisengeschüttelten Landes, nachdem sein Vorgänger, der liberale Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada, nach wochenlangen Protesten überstürzt zurückgetreten war.
Carlos Mesa ist parteilos. Im August 2002 als Vizepräsident vereidigt, skizzierte er schon bald vor der UN-Vollversammlung das zentrale Dilemma Boliviens: "Wir können nicht Wirtschaftswachstum und Wohlstand für einige wenige schaffen und erwarten, dass die davon ausgeschlossene Mehrheit stumm und geduldig zusieht."
Die Protestwelle in diesem Jahr verlangte von Mesa Mut und politische Klugheit. Vor einer Woche, nachdem Sicherheitskräfte an einem Tag 26 Demonstranten getötet hatten, stellte er sich offen gegen seinen langjährigen Freund und Mentor Sánchez de Lozada.
Nun will Mesa als "Übergangspräsident" das tief gespaltene Land versöhnen und eine Verfassunggebende Versammlung einberufen. Seine eigene Rolle sieht er bescheiden: Nach vorgezogenen Neuwahlen will er das höchste Staatsamt vor dem Jahr 2007 einem Nachfolger übergeben.
Der 1953 in der Regierungsstadt La Paz geborene Mesa machte sich nach dem Studium der Literatur zunächst als Historiker und Filmexperte einen Namen. Anfang der achtziger Jahre leitete er die Tageszeitung "Última Hora" und gründete eine Talkshow. Aus einer Produktionsgesellschaft für Fernsehnachrichten entstand ein preisgekrönter TV-Sender. (19.10.03)
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