|
GERHARD DILGER, PORTO ALEGRE
Kampf gegen KokaTrotz eingestandener Misserfolge setzen die USA ihren "Anti-Drogen-Krieg" in Kolumbien fort
von Gerhard Dilger
Porto Alegre (epd). Jüngst überraschte der Drogenbeauftragte der USA, John Walters, mit einem freimütigen Eingeständnis: Trotz milliardenschwerer Anstrengungen sei es nicht gelungen, die Einfuhr von Kokain aus dem Ausland einzudämmen. "Unsere Hoffnungen haben sich bisher nicht erfüllt", sagte der so genannte Drogenzar nach einem Besuch in Kolumbien. Tage später versuchte er indes, diesen Eindruck mit einer Erfolgsmeldung zu revidieren: Innerhalb von zwei Jahren sei der Koka-Anbau in Kolumbien um 30 Prozent zurückgegangen. Die USA werde an einer militärischen Bekämpfung der Drogenproduktion festhalten.
Die Äußerungen Walters verdeutlichen: Obwohl sich in den eigenen Reihen offensichtlich die Zweifel mehren, setzt die Regierung in Washington im Kampf gegen Drogen weiter auf eine harte Gangart. Seit 1985 führen die USA in der Andenregion und speziell in Kolumbien - dem mit Abstand größten Kokain-Produzenten der Welt - einen "Anti-Drogen-Krieg". Für den "Plan Colombia", mit dem der Koka-Anbau gestoppt werden soll, stellte die US-Regierung in den letzten fünf Jahren rund drei Milliarden Dollar zur Verfügung - das meiste davon Militärhilfe.
Zwar sieht der "Plan Colombia" auch einige nicht-militärische Initiativen gegen die Rauschgift-Produktion vor. Doch auch die sind nach einem Bericht des US-Rechnungshofes wenig effektiv. So komme die finanzielle Unterstützung für Bauern, die eine Alternative zum Drogenanbau suchen, nur wenigen Familien zugute und werde zudem schlecht verwaltet.
Im Juni durfte sich die Regierung in Washington durch Zahlen des jüngsten UN-Weltdrogenberichts bestätigt fühlen: Demnach ist 2003 - vor allem durch die Besprühung mit Pflanzengiften - die Koka-Anbaufläche auf 86.000 Hektar zurückgegangen, den niedrigsten Stand seit 1997. Das "Potenzial der Kokainproduktion" habe mit weltweit 655 Tonnen sogar unter dem Wert von 1990 gelegen, so die UN-Forscher. Allerdings wiesen sie auch auf gegenläufige Trends hin: In Bolivien gebe es "Besorgnis erregende Anzeichen für eine Erweiterung des Koka-Anbaus".
Die Satellitenbilder, auf die sich die amtlichen Erfolgsmeldungen stützen, erfassten nur einen Teil des tatsächlichen Anbaus, sagt der kolumbianische Soziologe Alfredo Molano. Mit dem "Plan Colombia" wolle die US-Regierung vor allem den Boden für mögliche Militäreinsätze in der Andenregion bereiten, befürchtet Molano.
Washingtons wichtigster Partner bei der Militarisierung der Region ist Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe, der sich einem harten Kampf gegen die linke Guerilla verschrieben hat. Im Süden des Landes führt die kolumbianische Armee derzeit ihre Großoffensive "Plan Patriota" gegen die Aufständischen der "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC). Unterstützt wird sie dabei von einer stetig anwachsenden Anzahl von Militärberatern und Söldnern aus den USA. Der "Plan Patriota" markiere den Beginn einer neuen, intensiveren Phase militärischen Eingreifens in der Region, urteilt die Menschenrechtsorganisation "Washington Office on Latin America".
(19.08.04)
|