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GERHARD DILGER, PORTO ALEGRE
Der Öl-Sozialist Venezuelas Präsident Hugo Chávez wurde für sechs weitere Jahre im Amt bestätigt
Von Gerhard Dilger
Caracas/Porto Alegre (epd). Hugo Chávez strahlt. "Heute beginnt eine neue Ära, die Ausweitung der revolutionären Demokratie, auf dem Weg Venezuelas zum Sozialismus", ruft er am Sonntagabend vom Balkon des Präsidentenpalastes in Caracas. Zum dritten Mal hat der Linksnationalist die Wahlen klar gewonnen. Nun wird der 52-Jährige für sechs weitere Jahre die Geschicke Venezuelas bestimmen. Lange Zeit galt der frühere Fallschirmjäger als schriller Sonderling.
1992 war Chávez mit einem Putschversuch gescheitert. Erst sieben Jahre später zog er als demokratisch gewählter Staatschef in den Präsidentenpalast. Vor allem im Ausland wurden anfangs seine Attacken gegen den "Imperialismus" der US-Regierung als unzeitgemäß belächelt. Dass er den südamerikanischen Freiheitshelden Simón Bolívar (1783-1830) bewunderte, stieß auf Unverständnis.
Im Jahr 2002 überstand er selbst einen Putsch, wenig später einen wochenlangen Unternehmerstreik, und vor zwei Jahren ließ er sich durch ein Referendum bestätigen. Den Ölreichtum seines Landes steckte er in Sozialprogramme und in rege diplomatische Aktivitäten, mit denen er seine Stellung in Lateinamerika stärkte.
Stand er 1999 noch allein auf weiter Flur, hat er mittlerweile unter den Staatschefs in Südamerika mehrere Verbündete: Brasiliens Luiz Inácio Lula da Silva, Néstor Kirchner aus Argentinien, Evo Morales in Bolivien und demnächst Rafael Correa in Ecuador.
Nun wird Chávez nicht nur von seiner weltweit wachsenden Anhängerschar ernst genommen. Für Washington hat er Fidel Castro als größtes Ärgernis in der Region abgelöst. Manch einem Gegner in Venezuela gilt er als autoritärer, machtbesessener Kommunist.
Solche Befürchtungen versucht Chávez in der Wahlnacht zu zerstreuen. "Niemand braucht vor dem Sozialismus Angst zu haben", ruft er. "Der der Sozialismus ist von Grund auf human, er ist Liebe und Solidarität, unser Sozialismus ist originell, indianisch, christlich und bolivarianisch." Eine "bolivarianische Revolution" schwebt ihm vor, im Sinne seines historischen Vorbilds Simón Bolívar.
Tatsächlich hat Chávez kein fertiges Gesellschaftskonzept für Venezuela im Kopf. "Wir müssen unser Modell suchen", sagte er vor kurzem. "Ich bewundere und respektiere das kubanische, aber für Venezuela taugt das nicht. Hier wird das Privateigentum respektiert. Ich lade dazu ein, über unseren Sozialismus zu diskutieren und ihn zu erfinden."
Bislang hat er versucht, die soziale Kluft abzubauen, etwa mit Alphabetisierungskampagnen, dem Ausbau kostenloser Gesundheitsdienste, dem Verkauf subventionierter Lebensmittel und einer Landreform. "Er ist eher ein linker Sozialdemokrat", urteilt der pakistanisch-britische Autor Tariq Ali.
In erster Linie jedoch ist er ähnlich wie sein Vorbild Fidel Castro ein unerbittlicher Kritiker der Vormachtstellung der USA in Lateinamerika - und in der Welt. Tariq Ali: "Er sagt das, was viele seiner Kollegen denken, aber nicht zu sagen wagen, und deswegen wird er auch auf Demonstrationen in Kairo oder Beirut gefeiert."
Für die armen Venezolaner ist der Lehrersohn aus der Llano-Tiefebene im Südwesten des Landes einer der ihren. Seine Gesichtszüge weisen ihn als Mischling mit weißen, afrikanischen und indianischen Vorfahren aus. Mit seiner volkstümlichen Rhetorik und seinem Showtalent begeistert er Millionen.
Woran auch sein Sozialismus scheitern könnte, deutete Chávez in seiner Siegesrede an: "Heute habe ich zwei Schwerter aus der Scheide gezogen, eines gegen die Korruption und eines gegen den Bürokratismus."(04.12.06)
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