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GERHARD DILGER, PORTO ALEGRE
Zwischen Agrobusiness und Kleinbauern Entwicklungsländer wollen auf der WTO-Konferenz in Cancún geschlossen auftreten
von Gerhard Dilger
Brasília (epd). Celso Amorim ist zufrieden: Zur bevorstehenden Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Cancún "haben wir einen bahnbrechenden Vorschlag" vorgelegt, sagt der brasilianische Außenminister. Geschlossener denn je fahren die Minister der Entwicklungsländer zu der Konferenz vom 10. bis 14. September.
20 Staaten, allen voran Indien, Südafrika und Brasilien, haben sich in Agrarfragen auf eine gemeinsame Position verständigt. Von den Industrienationen, besonders den USA und der EU, fordern sie handfeste Fortschritte bei der 2001 in Doha begonnenen WTO-"Entwicklungsrunde".
Zentrales Anliegen der Entwicklungsländer ist, dass der Norden mit der viel beschworenen Liberalisierung des Welthandels Ernst macht. Demnach sollten Europäer und Nordamerikaner ihre Milliardensubventionen für landwirtschaftliche Erzeugnisse und speziell die Beihilfen für die Exporte nach einem verbindlichen Zeitplan abbauen. Parallel dazu müssten sie ihre Märkte für Agrarprodukte aus dem Süden weiter öffnen, fordern die G-20.
Die Bandbreite der neuen Gruppe reicht von armen Entwicklungsländern wie Paraguay oder Guatemala bis zum Giganten China, der der WTO erst 2001 beitrat. Zusammengerechnet erbringen diese Länder zwar nur elf Prozent der Weltwirtschaftsleistung, aber sie vertreten fast zwei Drittel aller Menschen, die in ländlichen Regionen leben.
Die großen Agrarexporteure des Südens, aber auch Millionen Kleinbauern und Landarbeiter könnten von den Maßnahmen profitieren, die die G-20 vorschlagen. Brasiliens Agrobusiness, das bei Zucker, Soja, Rindfleisch, Kaffee oder Orangen schon eine führende Stellung hat, wittert die Chance für eine weitere Expansion. Allerdings sind die Monokulturen und Großfarmen ökologisch und sozial umstritten.
"Mit ihrer Überschussproduktion machen die Europäer die Weltmarktpreise kaputt", sagt Lino Colfera vom Agrarministerium. Beim Zucker etwa blockiere die EU mit ihrer Zuckermarktordnung Importe durch Quoten und Zölle. Der große Zuckerproduzent Brasilien erzeugte 2001/02 knapp 23 Millionen Tonnen Rohrzucker, davon mehr als die Hälfte für den Export.
Die EU lag bei der Produktion mit 16 Millionen Tonnen hinter Indien auf Platz drei, 4,4 Millionen Tonnen davon landeten auf dem Weltmarkt. Europäischer Rübenzucker kann allerdings nur dank hoher Zuschüsse im Wettbewerb bestehen - die Produktionskosten liegen fast vier Mal so hoch wie in Brasilien.
Entwicklungsländer wie Brasilien sehen aber auch die Existenz von Millionen Kleinbauern durch Billigimporte an Nahrungsmitteln bedroht. Noch bestehende Schutzzölle sollen deshalb weniger schnell fallen als in den Industrieländern. Neu zu schaffen sei eine Kategorie besonders schützenswerter Produkte, die von Land zu Land variiert.
"Wenn es nach den USA und der EU ginge, dürften wir unseren Kleinproduzenten nicht einmal mehr günstige Kredite zur Verfügung stellen", warnt Miguel Rossetto, Brasiliens Minister für landwirtschaftliche Entwicklung. Wie viele Landlosen- und Kleinbauernvertreter aus Lateinamerika, Afrika und Asien ist er der Meinung, dass das Thema "Ernährungssicherheit" in Cancún ganz oben auf der Tagesordnung stehen sollte.(05.09.03)
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